… zwei Schwerpunkte im Fokus der Wählerinitiative Wir für Hadamar (WfH)
Seit vielen Jahren thematisiert die Wählerinitiative WfH die Fehlentwicklungen im Gebiet der Hadamarer Altstadt.
Zahlreiche Anträge und Ideen hat die WfH dazu entwickelt, nur zu einer erkennbaren und nachhaltigen Kehrtwende, ist es bis heute nicht gekommen.
Die Altstadt – das Herz der Hadamarer Kernstadt – braucht dringend Schutz und Aufwertung. Wenn man vor ein paar Wochen beim Vortrag von Hadamars Bürgermeister Michael Ruoff zum Thema „Hadamar in alten Bildern“ zu Gast war, konnte man mit Wehmut feststellen, welch wirtschaftlich pulsierendes Leben in den 60- bis 80er-Jahren im Gebiet der Borngasse, Brückengasse, Brückenvorstadt und den angrenzenden Straßen einstmals vorherrschte.
Doch leider hat die Hadamarer Stadtpolitik in den entscheidenden Momenten bei den Fehlentwicklungen nicht entschieden gegengesteuert. Der einstmals belebte Stadtkern verlor durch die Mitte der 80er-Jahre erfolgte Änderung der Verkehrsführung an Bedeutung. Fachgeschäfte, Gaststätten, zwei Kinos, diverse Cafés etc. verschwanden oder mussten aus vielerlei Gründen schließen. Inhabergeführte Immobilien mit angeschlossenem Gewerbebetrieb wurden aus Altersgründen geschlossen, aufgegeben und „wanderten“ in falsche Hände. Bekanntlich sind solche Verhältnisse der Nährboden dafür, dass sich die Leute dort unsicher fühlen und die Sauberkeit zu wünschen übriglässt. Deshalb ist das einstmals pulsierende und seriöse Quartier vor allem in den Abend- und Nachtstunden für viele Hadamarer Bürger zu einer „No-Go-Area“ geworden.
Spielsalons und zwielichtige Ladenlokale haben ebenso Einzug gehalten wie der viel zu hohe Anteil an Migranten, vor allem aus Südosteuropa. Ein bestimmtes Klientel hat die zum Verkauf stehenden Immobilien günstig erworben, notdürftig saniert, um mit wenig Aufwand und Steuerung schnelles Geld zu verdienen. Sicherlich ist Hadamar dafür kein Einzelfall, aber in diesem Umfang, bezogen auf die Einwohnerzahl, einfach überfrachtet.
Hier hätten wir uns als WfH viel mehr Einfluss und Steuerung durch die politischen Kräfte erwartet. Stattdessen hat man dem negativen Wandel viel zu lange tatenlos zugeschaut und, als es schon zu spät war, einen Bebauungsplan Altstadt und einhergehend damit eine sogenannte „Veränderungssperre“ für das kritische Quartier beschlossen.
Viel zu wenig hat der Magistrat vom möglichen Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, um damit zu regulieren, in welche Hände die zum Verkauf stehenden Immobilien gehen, und damit auch Einfluss auf das Bewohnerumfeld genommen.
Das große Manko dabei: Hadamar verfügt nicht über eine Städtische Baugenossenschaft, wie sie in vergleichbaren Städten des Umlandes vorhanden sind, die sich um eine regulierende und ordnungspolitische Einflussnahme in kritischen Quartieren kümmert.
Der Versuch der WfH, die bestehende „Gemeinnützige Baugenossenschaft Hadamar“, die 1949 gegründet wurde und sich primär um Wohnungen für Flüchtlinge aus dem Sudetenland gekümmert hatte und heute für ein gemischtes Publikum noch bezahlbaren Wohnraum anbietet, für die Bewirtschaftung der Häuser im Altstadtquartier zu gewinnen, ist fehlgeschlagen. Die aktuelle Geschäftsführung ist weder von ihrer Struktur noch von der finanziellen Ausstattung her bereit, ihr Geschäftsfeld zu erweitern.
Ebenso erfolglos war die Initiative der WfH, die landeseigene „Nassauische Heimstätte GmbH“ für ein Engagement in diesem Areal zu gewinnen.
So blieb als Letztes die Gründung eines interfraktionellen Arbeitskreises mit dem Titel „Masterplan Altstadt“, der sich im Laufe des 1. Halbjahres 2025 mehrfach zum Austausch getroffen und diverse Vorschläge und Maßnahmen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität erarbeitet sowie Bürgermeister Ruoff und seiner Verwaltung weitergeleitet hat. Außer der Schließung von zwei Ladenlokalen, in denen illegale Glücksspiele stattfanden, ist nichts Weiteres zum vorgeschlagenen Maßnahmenkatalog passiert.
Wir hoffen, dass nach den Kommunalwahlen ausreichend politische Kräfte das Sagen haben, die sich um das Problem kümmern und es abstellen. Ein wichtiger Schritt könnte die im Sommer 2025 erfolgte Bewerbung zur Teilnahme am hessischen Stadtentwicklungsprogramm sein. Die Antwort, ob Hadamar in den Genuss der Förderung kommt, steht aus.
Das Ziel der WfH ist es zu vermeiden, dass Immobilien in der Altstadt in die falschen Hände fallen. Stattdessen soll mit dem Gewinn von Investoren, möglichst in einer neuen Städtischen Baugenossenschaft, und aktiver Unterstützung aller politischen Kräfte, dieses Quartier wieder in ein Stadtviertel versetzt werden, in dem man sich ohne Vorbehalte aufhalten kann. Das würde die Lebensqualität dort erhöhen und das Image der Stadt verbessern.
Das Thema „Masterplan Hadamarer Altstadt“ wird und will die WfH, sofern sie die Möglichkeiten dazu hat, in der kommenden Legislaturperiode zu einem ihrer Schwerpunkte der politischen Aktivitäten machen. Dazu braucht sie die Unterstützung der Bürgerschaft und der anderen Fraktionen im neuen Stadtparlament.